Les Gardiens des Secrets – ein sehenswerter französischer Film (mit englischen Untertiteln) über Karate und Kobudō:

Seidō Karate

17/04/2010

„Du übst welche Karaterichtung aus? Kenne ich nicht.“ Mit solchen oder ähnlichen Aussagen werde ich regelmäßig konfrontiert, wenn ich mich mit anderen Karateka über Seidō Karate unterhalte. Daher soll in diesem Artikel einmal die Entstehung des Seidō (=der aufrichtige Weg) Karate oder auch Seidō Juku (= Schule des aufrichtigen Weges) thematisiert werden. Zu diesem Zweck am besten geeignet erscheint mir eine Kurzbiographie über Kaicho (=Vorsitzender/Präsident) Nakamura Tadashi, den Begründer des Seidō Karate, die ich einmal für ein Handout verfasst habe.

Kaicho Nakamura Tadashi wurde am 22.02.1942 in Maoka (heute Kholmsk) auf der Insel Karafuto (das heutige Sachalin/Russland) geboren. Im Alter von 11 Jahren sammelte er erste Karate Erfahrungen bei seinen beiden Brüdern Nakamura Toru und Nakamura Osamu, Danträger im Wadō Ryū und Gojū Ryū Karate, und unter Miyagi Kei, dem Sohn des Gojū Ryū Begründers Miyagi Chōjun. Nach einem Abstecher ins Kendō, in dem Kaicho Nakamura ebenfalls Danträger ist, begann er 1956 unter Ōyama Masutatsu (1923-1994), dem Begründer des Kyokushin, Karate zu lernen und erhielt 1959, als damals jüngster Kyokushin Schüler in Japan, den schwarzen Gürtel.

1961 feierte Kaicho Nakamura sein Wettkampfdebüt als Sieger der offenen alljapanischen Studenten Karatemeisterschaften, gefolgt von vielen weiteren Turniererfolgen. Sein Sieg über den als „Grünen Tiger“ bekannten Thaiboxchampion Tan Salen im Jahr 1962 bescherte ihm landesweite Bekanntheit und er wurde als japanischer Nationalheld verehrt. Am 15. Oktober 1965 bestand Kaicho Nakamura das 100 Mann Kumite, den ultimativen Test der Kampffähigkeiten und körperlichen und mentalen Belastbarkeit im Vollkontakt Karate. In den 1960er Jahren begann Kaicho Nakamura Karate zu unterrichten; 1961 bis 1965 war er als Karatelehrer an der US Militärbasis Camp Zama in der Nähe von Tōkyō tätig und ab Mai 1962 unterrichtete er das Karateteam der Tōhō Universität für drei Jahre, mit dem er Turniertitel der alljapanischen-, ostjapanischen- und Kantō – Meisterschaften holte. Kaicho Nakamura erreichte den 7.Dan im Kyokushin Karate, wurde von Ōyama zum Shihan (Lehrmeister) ernannt und als sein Nachfolger bestimmt. Er unterrichtete als Hauptlehrer im Kyokushin Honbu Dōjō (= Haupt-Dōjō) in Tōkyō.

Als Ōyama ihn 1966 auswählte Oberhaupt der nordamerikanischen Kyokushinkai-Organisation zu werden zog Kaicho Nakamura nach New York und begann in einem kleinen Dōjō in Brooklyn zu unterrichten. In den folgenden fünf Jahren stieg die Popularität des Kyokushinkai Karate in den USA enorm an und Kaicho Nakamura gründete im Jahr 1971 das Hauptquartier des nordamerikanischen Kyokushinkai Karate.

Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Kaicho Nakamura und seinem Lehrer Ōyama Masutatsu im Zuge der ersten Kyokushin Vollkontakt Weltmeisterschaft im Jahr 1975 trennte sich Kaicho Nakamura am 22.März 1976 vom Kyokushin Karate und begründete am 15. Oktober 1976 die World Seidō Karate Organization (WSKO). Seidō Juku entwickelte sich zu einer internationalen Organisation mit mehr als 20.000 Schülern in 18 Ländern. Das Seidō Honbu Dōjō in New York stellt eine der größten Schulen für Kampfkünste weltweit dar. Seidō Karate ist auch als ningen karate (menschliches Karate) bekannt, da Kaicho Nakamura ein für alle Menschen geeignetes Karate schaffen wollte. 1987 rief Kaicho Nakamura schließlich die Seidō Juku Benefit Foundation ins Leben, die bisher verschiedene gemeinnützige Projekte und Hilfsorganisationen mit über 200.000 US$ unterstützt hat.

Kaicho Nakamura ist mit Nakamura Akemi verheiratet und ist Vater dreier Kinder. Er besitzt einen Studienabschluss im Fach Architektur an der Nihon Universität. Im Jahr 2008 ernannte Kaicho Nakamura seinen Sohn Nakamura Akira zu seinem Nachfolger und Stilerbe des Seidō Karate.

Auf dem Bild bin ich (Gelbgurt) mit Kaicho Nakamura zu sehen. Das Bild entstand 2006 auf einem Lehrgang in Wadowice/Polen.

Quellen:

www.seido.com

http://www.seidomd.com/whatisseido.php

1989 – Tadashi Nakamura, The Human Face of Karate, Shufunomoto Verlag, Tōkyō.

2001 – Tadashi Nakamura, Karate: Technique and Spirit, Tuttle Publishing.

Noch ein Hinweis – bei dem als “Seidōkaikan” bekannten Vollkontaktkarate, welches durch den K-1 Begründer Ishii Kazuyoshi ins Leben gerufen wurde und hier vor allem durch den verstorbenen Karateka und Kickboxer Andy Hug bekannt geworden ist, handelt es sich um eine andere Karaterichtung.

Willkommen auf meinem Blog. Was ist der Meikyou – Blog? In diesem Beitrag möchte ich auf den Namen dieses Blogs und den Grund, warum ich diesen so genannt habe, eingehen.

Meikyō kommt aus dem Japanischen und bedeutet heller Spiegel, klarer Spiegel oder auch reiner Spiegel. Eine Kata (Form) des Shōtōkan Karate ist nach diesem Begriff benannt und das Bild des reinen Spiegels findet sich auch in weiteren Stilrichtungen japanischer Kampfkünste. So ist im Kendō (Schwertweg) das Sprichwort meikyō shisui (reiner Spiegel, stilles Wasser) oder auch munen musō (in etwa: die Freiheit von Gedanken, das Nicht-Denken) meikyō shisui bekannt. Diese Begriffe beziehen sich darauf, ohne unnötige Gedanken wie ein klarer Spiegel oder das stille Wasser die Dinge so zu reflektieren, wie sie sind.

Der „Vater des japanischen Karate“ Funakoshi Gichin äußerte sich in seinem 1935 erschienenen Werk Karatedō Kyōhan (die Karateweg Lehrmethode) folgendermaßen: „Wie ein reiner Spiegel, der ohne Verzerrung reflektiert, oder ein stilles Tal, das ein Geräusch wiederhallt, so muss derjenige der den Karateweg studiert sich von selbstsüchtigen und üblen Gedanken reinigen, da er nur mit einem reinen Geist und Gewissen verstehen kann, was er empfängt. Dies ist eine weitere Bedeutung des Elements kara (leer) im Karateweg” (eigene Übersetzung aus dem Englischen – Quelle: Karate-Dō Kyōhan, aus dem Japanischen übersetzt von Ohshima Tsutomu, Kōdansha Verlag 1973, S.4).

Als Kampfkunstausübender, regelmäßiger Nutzer kampfkunstbezogener Diskussionsforen und Japanologe soll mein Blog hauptsächlich der Reflektion verschiedener diesbezüglicher Gedanken, Themen, Videos oder Artikel sein. Ich hoffe Sie können das ein oder andere Lesenswerte auf meinen Seiten finden.

Hier sehen Sie Kanazawa Hirokazu bei der Übung der Kata Meikyō:

http://www.youtube.com/watch?v=MDbZdXCdEVE

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17/04/2010

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